Microsoft hat den E3-Marathon mit seiner Pressekonferenz eröffnet, die vor wenigen Minuten zu Ende gegangen ist. In aller Kürze fassen wir die 90-minütige Show zusammen und halten euch darüber auf dem Laufenden, was Nintendos Konkurrent für die nächsten anderthalb Jahre plant:
Die Pressekonferenz war gewissermaßen dreigeteilt: Microsoft begann mit Live-Demos der großen kommenden Spiele, die ganz klassisch ins Vielspieler-Raster fielen und sich gleichmäßig über die Show verteilten: In Call of Duty – Modern Warfare 3 wurde New York zerstört, in Tomb Raider Lara Croft vor dem sicheren Tod bewahrt, in Gears of War 3 ein gigantischer Krake niedergestreckt und in Halo Anniversary der erste Ableger neu aufgelegt.
Den zweiten großen Teil gestaltete Microsoft mit neuen Features für die XBOX360, mit denen die Spielekonsole noch mehr in Richtung Home-Entertainment wandern soll: Bing, YouTube, neues Menü, neue Partnerschaften für noch mehr Entertainment über XBOX Live. Aber schon dieser Teil der Pressekonferenz wurde überlagert von dem dominanten Thema des Abends: Kinect, dem Bewegungs- und Sprachsensor, der im letzten Jahr auf den Markt kam. Er soll die Technologien hinter den Diensten einfacher zugänglich machen und die Spieler alles durch simple Spracheingaben steuern lassen.
Ein Entwickler nach dem anderen, ein Trailer nach dem anderen flimmerte über die Leinwand, der sich mit Kinect-Unterstützung brüstete: EA Sports fügt FIFA, Madden und Tiger Woods Kinect-Kompatibilität hinzu, Mass Effect 3 lässt den Spieler über Kinect verbale Befehle erteilen und Dialoge steuern. Tom Clancy’s Ghost Recon sorgte mit einem Waffen-Editor für Staunen, die Animationen der auseinander gleitenden Waffe sahen beeindruckend aus, das Gameplay damit weniger.
Klar wurde aber auch: Die klassischen Core-Gamer wird man von Kinect wohl nicht mehr begeistern können: Eine knappe halbe Stunde widmete man ausgewiesenen Kinderspielen wie Tim Schafers „Sesame Street – Once Upon a Monster“ oder „Disneyland Adventures“. Das heiß erwartete Star Wars für Kinect entpuppte sich dagegen erwartungsgemäß als starres Rail-Adventure mit Zappelsteuerung und auch ein neues neues Fable-Actionspiel sowie Ryse von Crytek können nur mit Kinect funktionieren, weil das Gameplay streng gescriptet und auf Schienen abläuft.
Den großen Kinect-Overkill wollte Microsoft am Ende der PK dann wieder wettmachen, indem man Halo 4 als Beginn einer neuen Halo-Trilogie vorstellte. Das Spiel war wenige Stunden vor der Show bereits durchgesickert, erscheint aber nicht vor 2012.
So bleibt eine Pressekonferenz, die in jeder Facette Microsofts Willen widerspiegelte, mit Kinect Marktanteile von Wii zu nehmen, während die großen Franchises die Core-Gamer bei der Stange halten. Dass immer mehr renommierte Entwickler allerdings auf Rail-Shooter umsteigen, nur um Kinect zu benutzen, damit dürfte Microsoft seine traditionellen Fans heute verschreckt haben.