Wohin man derzeit im videospielaffinen Internet blickt, überall wird über die Schwierigkeiten berichtet, mit denen Nintendo derzeit zu kämpfen hat. Analysten raten dem Unternehmen dazu, als Dritthersteller die Konkurrenz oder Smartphones zu bedienen und vor allem die Wii U mit Karacho einzustampfen. Dass Nintendo diesen Weg jedoch nicht gehen möchte und wird, bekräftigte Firmenpräsident Satoru Iwata bei einer Investoren-Konferenz in der vergangenen Nacht.
Zunächst einmal gesteht Iwata diverse Schwächen bei Nintendos Vorgehensweise in den vergangen Jahren ein. Bei der Wii U habe man zum Beispiel dem allgemeinen Markt nicht angemessen vermitteln können, dass es sich hierbei um eine komplett neue Konsole handle und welche Vorzüge das GamePad mit sich bringe. Daran sollen neue Software-Erzeugnisse, bei denen der mit einem Bildschirm versehene Controller auch im Einzelspieler-Modus sinnvoll und bedeutsam eingebunden wird, der Gebrauch der bislang praktisch ungenutzten NFC(Near Field Communication)-Funktion und Nintendo DS-Software im Wii-U-Virtual-Console-Lineup ändern.
Außerdem sollen in Zukunft Nintendos Geräte effektiver miteinander verknüpft werden. Die Basis dafür sei bereits mit der Einführung der Nintendo Network ID (NNID) geschaffen worden. Statt jede Konsole – ob Handheld oder Heimgerät – als isolierte Einheit anzusehen und den Kunden mit der Veröffentlichung eines neuen Systems immer neu heranziehen zu müssen, sei die NNID als langfristige und systemübergreifend nutzbare Methode zur Spielerbindung gedacht.
Hier kommen auch Smartphones ins Spiel, die als Mittelsmann zwischen Nintendo und dem Kunden dienen sollen. Iwata betont allerdings nachdrücklich, dass dies nicht bedeute, man würde in Zukunft große Spiele für iOS und Android-Systeme programmieren. Aufgrund des überfluteten Software-Markts sähe er bei dieser Strategie nämlich nur geringe Chancen für einen langfristigen Erfolg. Außerdem haben 3DS-Umsetzungen von Smartphone-Spielen wie Angry Birds und Puzzle & Dragons bewiesen, dass diese auch auf Nintendos Handheld erfolgreich sein können. Stattdessen sei ein kleines, internes Entwickler-Team damit beauftragt, sich geeignete Konzepte zur Erfüllung dieses Ziels zu überlegen.
Ferner möchte Nintendo die NNID dafür nutzen, den Spielern flexiblere Preise anbieten zu können, sofern sie gewisse Bedingungen erfüllen. Diese beschränken sich nicht nur darauf, möglichst viele Spiele bereits gekauft zu haben – dass man etwa einen Freund zu einer Spielrunde einlädt und sich so für einen Preisnachlass qualifiziert, führt Iwata als ein weiteres mögliches Szenario an. Dieses Projekt befinde sich allerdings noch in der Planungsphase und werde voraussichtlich zuerst auf der Wii U erprobt.
Zu guter letzt sei Iwata noch immer darauf aus, die Videospieler-Basis zu erweitern und neue Zielgruppen zu erschließen, wie es bereits mit dem DS und der Wii geglückt ist. So setze man sich zum Ziel, innerhalb der nächsten zehn Jahre mit dem Motto „Die Lebensqualität der Menschen auf angenehme Art steigern“ zu handeln. Dabei sei einer der Fokuspunkte das Thema Gesundheit, welches zwar bereits mit Titeln wie Wii Fit angeschnitten wurde, in Zukunft aber noch erweitert werden soll. Und natürlich soll dies noch lange nicht das einzige Themengebiet sein. Die Umsetzung dieser neuen Geschäftsstrategie soll im Fiskaljahr 2015 beginnen, erste Ergebnisse werden 2016 erwartet.
Weitere Pläne für die Zukunft Nintendos sollen im Laufe des Jahres 2014 erläutert werden. Wer sich das ganze Briefing im Detail durchlesen möchte, kann es auf Nintendos Website in einer englischen Version finden.